Geist

Geist

Was ist Geist?
Hintergrund, Ursprung, Herkunft und Bedeutung von Geist
Begriff-Erklärung

Definition von Geist

Geist, mit der sprachlichen Wurzel *gheis- [erschaudern, ergriffen und aufgebracht sein] wurde als Wort-Begriff ein zentrales Thema der Meta-Physik, der vermeintlichen oder angeblichen Über-Natur, ein aus historischen Gründen uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und der Alltagssprache.

Als die Sprach-Einteilung indo-germanisch geprägt wurde, war noch nicht bekannt, dass keltisch und tocharisch ebenfalls zur selben Sprach-Familie gehören. Die als indogermanisch oder indoeuropäisch bekannten Sprachen benannt nach ihren westlichsten und östlichsten Vertretern sind aus moderner Sicht im Jahr 2013 mit kelto-tocharisch zu erfassen.

Im Schweizer-Deutsch wird gheis noch immer gesprochen und bedeutet benennen oder heissen; I gheis oder wië gheist x? meint Deutsch-Deutsch Ich heisse oder wie heisst x? Gheist resp. Geist wäre demnach die Benennung von Unbekannt als eine Erfassung vom Gespenst wie etwa früher die Natur-Gewalt in der Erscheinung vom Polar-Licht oder ähnlichem. So wird denn im Schweizer-Deutsch ein Schrei in höchster Erregung als Ghöis bezeichnet = erschaudern, ergriffen und aufgebracht sein.

Der Begriff entstand vermutlich einst als eine Schnittstelle zwischen der mit unbekannt, magisch, zu bezeichnenden direkten Betroffenheit und der aus dem Chaos herausgelösten bekannten, als bewusst wahrgenommenen [war-nehmend, waren = sehen] menschlichen Wirklichkeit.

Das westgermanische Wort *ghoizdo-z bedeutete dann übernatürliches Wesen [Gespenst] und wurde mit der Christianisierung der Gebiete nördlich der Alpen christlich umgedeutet, so dass der Begriff Geist als Übersetzung für den biblischen Spiritus Sanctus diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die Gegenwart, so dass Geist auch gleichbedeutend für Gespenst verwendet wird.

Unterschied von geistlich und geistig

Die deutsche Mär vom Geist
als versteckte Ideologie in der deutschen Sprache

Die Geschichte des deutschen Eigenschafts-Wortes geistig sei ziemlich merkwürdig, namentlich in seinem Verhältnis zu geistlich, durch welches es lange mit vertreten wird; es setzte zweimal an, im 14. und 17. Jahrhundert, ohne durchzudringen, erst im 18. Jahrhundert setze es sich allmählich durch. Mittelhochdeutsch erscheine geistig in geistlich philosophischem Gebrauch im 13. Jahrhundert bei Eckhart von Hochheim, von ihm wie es scheint gebildet, aber nur als Abwechselung mit dem längst bestehenden geistlich.

In der Tradition des deutschen Idealismus bezieht sich der Begriff Geist auf über-individuelle Strukturen, auf metaphysische Einbildungen. Richtig wäre die Annahme, denken ergäbe Gedanken. Die deutsche Hoheit von Deutung, der Duden im Standard-Deutsch der Schrift-Sprache, behauptet und konstruiert hingegen unter dem Titel Geist eine Ideologie vom denkenden Bewusstsein des Menschen = angeblich Geist. Denken und Wissen ergibt jenes was IST. Das deutsche Sein oder gar Bewusst-Sein ist ebenfalls eine metaphysische Einbildung und führt in Verbindung mit dem deutschen Geist fast zwangsläufig in eine Warumfalle. Mit dem naheliegenden Resultat von etwas göttlichem in irgend einer Form, jedenfalls germanisch mit der sprachlichen Wurzel *guda- [der Anruf vom Ganzen als Wesen = Gott], womit die versteckte Ideologie in der deutschen Sprache wirken kann:

Mit der allgemein üblichen Form der angeblichen Geistes-Wissenschaft wird unbemerkt der ursprüngliche Gheis als Gespenst [Geist] mit-gedacht und behauptet sowie in der Folge als Wesen denkend angesprochen auch geglaubt. Gefangen in mehrfach verbundenen Dualismen können nun endlos, einem Hamster-Rad gleich, trefflich von vermeintlichen Seins-Wesen ganze Bibliotheken zum Thema von angeblichen Geistes-Wissenschaften gefüllt werden ohne jede Möglichkeit zum verlassen der Umdrehung vor Ort resp. der gedanklichen Ohnmacht mit nicht bemerkbar denkender Selbst-Aufgabe solange nicht die Grund-Annahmen durch erneuern verändert werden mit Sprach-Kritik.

Im Schweizer-Deutsch erledigt sich das Paradoxon [etwas noch unbekanntes zu benennen] sprachlich in sich selbst: Wië gheist dä Gheischt [= Gespenst]? Geist ist demnach wie Gott dem Glauben [oder nicht] anheim gestellt und wäre zu trennen vom gedanklich bewussten. Zum präzisen Ausdruck genügt die Formulierung durch die Begriffe denken, Gedanken und gedanklich. Geistig und geistlich können problemlos vermieden werden.

© bzw. Autor: Rolf Pfister Zürich
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